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Mehlschwalben-Förderprojekt

mehlschwalben pixabay org

Der Verein Naturnetz Unteramt hat sich zum Ziel gesetzt, die Mehlschwalben zu fördern, damit sie in unseren Gemeinden weiterhin vorkommen und nicht aussterben. An Häusern, wo noch Schwalben brüten, werden seit 2018 weitere Nisthilfen aufgehängt. Die Aktion in Bonstetten, Stallikon und Wettswil scheint bereits Wirkung zu zeigen: Insgesamt 73 besetzte Nester konnten 2019 gezählt werden!

Start der Mehlschwalben-Aktion des Vereins Naturnetz Unteramt (VNU) war im Frühling 2018. Vereinsmitglieder versuchten vorerst in Bonstetten und Wettswil alle Niststandorte zu finden und zählten die besetzten Nester. Das Ergebnis war etwas ernüchternd – sie fanden nur noch etwa 24 besetzte Nester an fünf Standorten. Der VNU kontaktierte darauf die Besitzer und Verwalter der Häuser mit Schwalben, um zu erreichen, dass weitere Nisthilfen angebracht werden können. Ab Dezember 2018 war es soweit: An drei Standorten konnte der Verein mit Hilfe der Feuerwehr insgesamt 30 neue Nester montieren, zudem wurden viele weitere Nisthilfen gereinigt (der Anzeiger berichtete).

Natürlich war der VNU gespannt, ob die neuen Nisthilfen angenommen werden und wie sich der Brutbestand entwickelt. Die Erwartungen wurden übertroffen: 2019 konnten in den Gemeinden Bonstetten und Wettswil 43 besetzte Nester gezählt werden, was einer Steigerung um 75% entspricht! Die neuen Kunstnester wurden gut angenommen, und vor allem die Schwalben am Weierbrünneliweg in Wettswil schienen nur auf die Hilfe zu warten: Hatten 2018 hier nur 6 Paare gebrütet, waren es 2019 nun 15.

In Stallikon wurden die Mehlschwalben-Nester erst 2019 gesucht – insgesamt 30 besetzte Nester fanden die Vereinsmitglieder auf Gemeindegebiet. Bei einem Bauernhof an der Reppisch konnte der VNU den interessierten Landwirt noch vor der Brutsaison mit zehn neuen Nisthilfen unterstützen, auch hier mit Erfolg: Die Kolonie vergrösserte sich von 10 auf 19 Brutpaare. An diversen weiteren Standorten wird der VNU im Herbst 2019 Abklärungen treffen und wenn möglich neue Nisthilfen aufhängen.

Insgesamt zählten die Vereinsmitglieder des VNU in den drei Gemeinden dieses Jahr 73 besetzte Nester. Natürlich hofft der Verein, dass der Aufwärtstrend dank den künstlichen Nisthilfen auch zukünftig anhalten wird. Es kann aber aufgrund von schlechtem Wetter in der Brutzeit auch jederzeit wieder zu einem Rückgang kommen – solche Schwankungen sind bei der Mehlschwalbe normal.

Die Mehlschwalben-Aktion ist dringend nötig, da die Schwalben immer seltener werden. Noch in den 1990er-Jahren wurde der Bestand in der Schweiz auf 100'000 bis 200'000 Paare geschätzt. Er ist seither um mehr als die Hälfte auf 70'000 bis 90'000 Paare geschrumpft. Die starke Abnahme der Bestände hat gar dazu geführt, dass die Art als potenziell gefährdet eingestuft werden musste. Die Sektionen von BirdLife Schweiz – darunter der VNU – haben sich daher zum Ziel gesetzt, der Art zu helfen.

Die Mehlschwalbe leidet unter zwei Problemen. Einerseits findet sie immer weniger Insekten. Die intensive Landwirtschaft fordert ihren Tribut: Es gibt immer weniger Hecken, Feuchtstellen oder Brachland. Der Verbrauch an Pestiziden in der Schweiz ist hoch; die Wiesen werden artenärmer. Zudem werden ständig neue Flächen verbaut. Das andere Problem ist der Mangel an Nistmaterial und Nistplätzen. Vielerorts fällt es den Schwalben schwer, Lehmklümpchen für den Nestbau zu finden. Nester werden manchmal mutwillig zerstört, trotz des Schutzes der Vögel und ihrer Nester gemäss Jagd- und Schutzgesetz sowie Natur- und Heimatschutzgesetz. Umso schöner ist es, dass es auch Menschen gibt, die die Schwalben willkommen heissen. Hausfassaden können gut mit Kotbrettern vor Verschmutzungen geschützt werden.

Wer selber Schwalben fördern oder etwas für die Natur rund ums Haus tun möchte, findet bei BirdLife Schweiz unter www.birdlife.ch/ratgeber viele Anleitungen. Auch der VNU unterstützt Sie gerne mit Tipps und Anregungen. Kontakt: Stefan Bachmann, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 


 Fotogalerie:

 

Text: Stefan Bachmann, Fotos: Stefan Bachmann, Liz Stallkamp, Ernst Enz. Foto oben: Pixabay.org