Kiebitz-Kolonie in Gefahr durch Hochwasser

Im Naturschutzgebiet Filderen fördert der VNU den gefährdeten Kiebitz mit einem Schutzprojekt. Die Filderen war in den letzten Jahren die wichtigste Kolonie des Kantons. Nun ist sie durch Hochwasser in Gefahr. Der Kanton ist nun daran, eine dauerhafte Lösung zu etablieren.
1.2.2026
Die Biber haben ganze Arbeit geleistet und ihren Damm oberhalb der Filderen am Fischbach 2025 weiter erhöht. Daher steht nun das Naturschutzgebiet bis über die Fahrdämme hinaus unter Wasser. Würden die Kiebitze jetzt eintreffen, könnten sie nicht brüten und wir könnten keinen Zaun aufstellen. Der VNU steht daher mit dem Kanton schon seit vielen Wochen in Kontakt, damit der Wasserstand gesenkt wird, ohne den Biber zu gefährden. Dies, damit der Kiebitz – eine gefährdete Art mit nur noch 200 Paaren in der Schweiz (siehe unten) – weiterhin brüten und das Moor gemäht werden kann und nicht verschilft.
Anfang 2026 hat der Kanton nun gehandelt und ein Rohr über den Biberdamm gelegt. Somit soll der Wasserstand nun schrittweise abgesenkt werden. Ziel ist es, diesen auf einem Niveau von ca. 50 cm zu halten, damit die Biber weiterhin einen Lebensraum haben, die Filderen jedoch nicht komplett überschwemmt ist. Zudem soll (frühestens ab Herbst 2026) eine Beweidung mit Hochlandrindern oder Wasserbüffeln eingerichtet werden.
Der Kiebitz ist auf feuchte Lebensräume angewiesen und ein Charaktervogel der Feuchtwiesen und Flachmoore. Er leidet entsprechend unter der Zerstörung von feuchten Lebensräumen und der Intensivierung der Landwirtschaft. In den letzten 150 Jahren wurden über 90 % der Feuchtgebiete in der Schweiz entwässert und zerstört. Feuchtwiesen sind bei uns heute faktisch inexistent. Alternativ kann der Kiebitz auch auf vernässten Äckern brüten, wo sich jedoch weitere Probleme ergeben (Nahrung, Feinde, Traktor, Pestizide, Fruchtfolge etc.)
Europaweit haben sich die Bestände seit dem Jahr 1980 mehr als halbiert. Die Art gilt daher auch in Europa als gefährdet und in Deutschland gar als stark gefährdet (Rückgang seit 1980 um über 93 %!). In der Schweiz steht der Kiebitz ebenfalls auf der Roten Liste. Der historische Tiefpunkt war 2005 mit noch 100 Brutpaaren. Seitdem konnte der Kiebitz dank umfangreichen Schutzmassnahmen von BirdLife, Vogelwarte und anderen Akteuren in einigen Feuchtgebieten und auf Äckern auf rund 200 Paare gesteigert werden. 2024 gab es 23 Kolonien in der Schweiz; nur an sechs Orten brüteten allerdings mehr als 10 Paare. Allein 2024 wurden acht Plätze aufgegeben. An vielen Orten ist der Bruterfolg zu klein.
Die Filderen ist seit 2021 der wichtigste Brutplatz des Kantons Zürich mit 12 flüggen Jungvögeln. Schweizweit handelte es sich 2024 um die viertwichtigste Kolonie. In der Filderen ist der Bruterfolg im Vergleich zudem ausserordentlich hoch: Pro Brutpaar kamen von 2021-2025 im Durchschnitt 1,69 Junge hoch. Schweizweit sind es nur 0,76 Brutpaare.
Der VNU ist entsprechend überzeugt, dass der Brutplatz Filderen unbedingt erhalten werden muss. Zumal der Biber mit schweizweit über 5000 Tieren nicht mehr auf der Roten Liste steht.
- Weitere Infos zum Kiebitzprojekt Filderen und Projektbericht 2025
- Details zum aktuellen Stand in der Filderen von Daniel Stark (PDF)
- Nationaler Kiebitzprojekt 2025

