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Schutz des Kiebitzes in der Filderen

Michi Gerber Kiebitz

Im Naturschutzgebiet Filderen in Wettswil brüten seit 2017 Kiebitze. In den letzten drei Jahren sind insgesamt neun Jungvögel flügge geworden. Im Jahr 2020 gab es eventuell zwei, drei weitere Jungvögel. Der Verein Naturnetz Unteramt VNU versucht zusammen mit dem Kanton, die seltene Watvogelart zu fördern und den Bruterfolg zu erhöhen. Nur so hat der Kiebitz in der Filderen eine Zukunft.

Das Naturschutzgebiet Filderen bei Wettswil bietet dem Kiebitz eigentlich einen guten Lebensraum: Hier findet der Bodenbrüter auf den wechselfeuchten Flächen rund um den Teich geeignete Brutplätze, und es gibt genug Insekten und Würmer zu fressen. Zudem sind die Kiebitz-Familien im Schutzgebiet vor den Traktorenrädern geschützt. 2017 siedelten sich die seltenen Watvögel erstmals im Gebiet an – ein Paar zog damals vier Jungvögel erfolgreich auf. 2018 waren es dann zwei Paare mit insgesamt vier flüggen Jungen, und 2019 wurden drei Paare gezählt, die jedoch nur ein Junges hochbrachten. Im Jahr 2020 waren erneut drei bis vier Brutpaare anwesend, doch mit dem Brüten scheint es nicht mehr so recht zu klappen. Insgesamt kam es zu zehn Brutversuchen, doch alle neun Bruten, die direkt in den Filderen gefunden wurden, scheiterten, entweder aufgrund von Raubtieren oder wegen Hochwasser. Nur ein Paar, das auf der anderen Seite der Autobahn brütete, hatt vermutlich Erfolg. Die Jungvögel wurden allerdings nie gesehen. Was ist das Problem?

Die Gründe für den geringen Bruterfolg sind wohl vielfältig, doch ist einer der Hauptgründe sicher bei den Prädatoren zu suchen: Der Verein Naturnetz Unteramt VNU hat 2020 vier Fotofallen im Gebiet aufgestellt und konnte damit nachweisen, dass es eine hohe Präsenz des Fuchses gibt. Dieser ist wohl für den Verlust etlicher Jungvögel bzw. vieler Eier verantwortlich. Daneben könnten auch Krähen Eier oder Junge schnappen. Auch Störungen durch den nahen Weg, der überdies nicht durch einen Zaun abgetrennt ist, und durch Hunde sind eine Möglichkeit.

Um dem Kiebitz in der Filderen zu helfen, hat der VNU seit Beginn der Ansiedlung eine Beobachtergruppe gebildet, die fast täglich vor Ort beobachtet. Auch organisierte der VNU Besprechungen vor Ort mit dem Kanton und mit einem Kiebitzexperten von BirdLife Schweiz. Der Sachverhalt ist jetzt – nach den neusten Beobachtungen von 2020 – klar: Die Kiebitzkolonie kann wohl nur durch Errichtung eines temporären Weidezauns geschützt werden. Dieser rund 1 m hohe Zaun hält den Fuchs vor dem Eindringen ins Gebiet ab, womit der Verlust von Eiern und Jungvögeln stark verringert werden kann. Auch in den meisten anderen Kiebitzkolonien der Schweiz können die Vögel nur dank einem Zaun existieren.

Der Kiebitz ist in der Schweiz vom Aussterben bedroht. 2005 gab es nur noch 100 Brutpaare, danach ging es dank Schutzmassnahmen wieder etwas aufwärts auf rund 200 Paare. Die Schutzprojekte werden von BirdLife Schweiz, der Vogelwarte Sempach und vielen aktiven lokalen Vereinen (meist BirdLife-Sektionen) durchgeführt. Ohne diese Projekte hätte der Kiebitz in der heutigen Agrarlandschaft keinerlei Chancen mehr. Früher brüteten die Watvögel in den ausgedehnten Feuchtwiesen und Mooren, in welchen sie einigermassen gut geschützt vor Füchsen und anderen Prädatoren waren – heute sind die Feuchtgebiete zu rund 90% entwässert.

Der VNU prüft nun zusammen mit dem Kanton die temporäre Einzäunung der Kolonie für das Jahr 2021. Des weiteren sind Aufwertungsmassnahmen geplant: eine Ausweitung der Schlickflächen am Teich sowie evtl. das Abschürfen von kleineren Teilflächen der Munimatt, um kurzrasige Streifen zu garantieren. Beides ist wichtig, damit die Jungvögel überleben und genügend Nahrung finden. Eine weitere Möglichkeit sind Nestkörbe aus Metall, die einzelne Bruten vor dem Fuchs schützen können. Diese Gitterkörbe wurden im Reusstal schon mit Erfolg angewendet.

Text: Stefan Bachmann. Aktualisierte Fassung 21.6.2020

 


 Fotogalerie:

In dieser Fotogalerie finden Sie einige Schnappschüsse der vier Fotofallen in der Filderen:

 

Fotos: © VNU